Montag, 29. Januar 2018

Unausweisliche Worte

Als Betrachter von außen, habe ich Interviews oft als beklemmend empfunden. Die Macht liegt voll und ganz beim Journalisten, der im ersten Moment lieb, nett, freundlich themenbezogene Fragen stellt und im nächsten Moment eine Frage in den Raum wirft, die dem gegenüber unangenehm ist, vor den Kopf stößt und sprachlos macht.

Giovanni di Lorenzo ist stets über seine Interviewpartner informiert, greift ungeahnte Tiefend es Gespräches auf und bemerkt auch die Details in Mimik und Gestik.

In seiner Karrierelaufbahn hat er aus unterschiedlichen Bereichen viele berühmte Persönlichkeiten interviewt und es nie gescheut, das Blatt vom Mund zu nehmen. Am meisten gefallen hat mir hierbei sein schmerzhaft ehrliches Gespräch mit Helmut Schmidt.



Einige dargestellte Personen in diesem Buch werden das zu schätzen wissen, doch den meisten merkt man an, dass sie sich scheinbar zuvor dagegen gewappnet haben. Bei einigen wankt die Fassung für einen Moment.

Ein kleines Buch voller Anekdoten und Ehrlichkeiten für zwischendurch, zum immer wieder Weglegen und Hervorkramen.

Sonntag, 5. November 2017

2 Minuten Atmen

Je älter man wird, desto mehr glaubt man, dass die Uhren sich schneller drehen.
Nach all den Mutproben, die wir als Kinder bestanden haben, Stolz auf die wachsende Verantwortung waren, ersticken wir nun mehr und mehr in den Aufgaben des Alltages.

Es ist der Haushalt, die Arbeit, die Familie, die Kinder, die Finanzen, die Freunde, die Hobbies, die Gesundheit, die untergrabenen Träume

Alles dreht sich schneller und schneller um uns, bis uns auf unerklärliche Weise nur noch die Übelkeit in der Kehle steckt, mit der wir uns durch den Alltag schleifen.

Wie oft wünschen wir uns weg, an einen erholsamen Ort?
Wie süß klingt die Verlockung der Entschleunigung?
Wie tief frisst sich die Sehnsucht nach Ruhe in uns hinein?

Die westliche Welt hat sich mit Freuden in die Schnelllebigkeit befördert und nun schreit sie nach einer Lösung.
Wir haben Schlafstörungen. Wir haben Magenprobleme. Wir sind verbittert.

Alles, was es braucht, ist ein kleiner Schritt der Veränderung.

Da helfen bereits wenige Minuten auf dem Weg zur Arbeit. In dem kleinen Büchlein ´Yoga für Unterwegs´ gibt es einfache Ansätze und eine verständliche Anleitung für Yoga-Einsteiger und alle, die mehr über die Achtsamkeit mit sich selbst lernen wollen.

Leicht zu lesen, etwas Kurzes für zwischendurch und mit einem Fünkchen Hoffnung bespickt.





Samstag, 30. September 2017

Gefangen im Netz des Schwarm

In seinem neuesten Buch ´AchtNacht´ erzählt Sebastian Fitzek in einer  beängstigenden Realität, wozu das Internet und seine Anonymität fähig ist.
Wie schnell wir einer Meinungsmasse verfallen und Selbstjustiz in Tortur ausartet, nur weil eine Computerstimme uns erzählt, dass es in Ordnung wäre.
Von der nachfolgenden Scham und den möglichen Anzeigen, ist es vor allem die Seite des Opfers, die erschreckend und unwirklich erscheint.

Wie kann es möglich sein, dass Menschen sich verkleiden und vermummen, nur um jemanden zu töten, den sie nicht mal kennen?



Ben versteht die Welt nicht mehr, als ihm in der Öffentlichkeit bewusst wird, dass er das Opfer eines perfiden Onlinespiels wird, dass nur ein Frage benötigt, um eine massive mediale Welle auszulösen:

Wenn du eine Person nominieren könntest, die du tot sehen willst, wer würde es sein?

Ben ist ein Antiheld: erfolglos als Schlagzeuger, immer wieder seiner Alkoholsucht verfallen und Schuld an dem Unfall seiner Tochter, wird er von seiner Familie als Versager gesehen und verliert alles.

Doch in all dem Schock erkennt er eins: Sein Lebenswille hat ihn nicht verlassen und lieber rettet er die Menschen um sich herum, als der kriechende Feigling zu sein, den allen in ihm sehen wollen.

Doch damit reißt er sich mehr und mehr in ein Tiefs Loch und all die Lügen und Verdrehungen lassen ihn mehr und mehr in einem schlechten Licht erscheinen.

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, gegen eine unbekannte Größe an verärgerten, bluthungrigen Menschen und machtgierigen Männern, die unkoordinierte Fäden im Hintergrund ziehen.

Und am Ende schafft der meister des Wahns, was er immer schafft:

Er lässt alles anders enden, als man denkt

Freitag, 15. September 2017

Was die Sterne über uns wissen

Sergio Bambaren erzählt in ´Die Zeit der Sternschnuppen´ von der Liebe.

Doch es sind keine kleinen Geschichten nur über die Liebe. Es geht um die zerreißende Sehnsucht zweier Liebenden, ewig auf der Suche, doch nie wirklich sicher, wonach sie suchen.
Eine Geschichte über eine Zeit im Leben, die jeder von uns durchlebt hat. Die viele von uns im Moment durchleben. Aber jeder weigert sich, offen zuzugeben, wie schmerzhaft und verletzlich diese Zeit unseres Lebens ist.

Doch nimmt man ein kleines, unscheinbares Buch von Sergio Bambaren in die Hand, dann begibt man sich auf eine gefühlvolle Reise. Kalte Mauern werden niedergerissen und oft hilft so eine Geschichte, das Sehen wieder zu erlangen.

Mit mehreren Kurzgeschichten taucht der Leser in liebevolle Welten mit angsterfüllten Personen ein, die am Ende eins verstehen müssen:
Aus der Angst ausbrechen müssen wir, für die Liebe, von selbst.


Sonntag, 10. September 2017

Was ist nur passiert?

Die Welt ist zu Grunde gegangen und niemand weiß, aus welchen Gründen.

Das Wetter spielt verrückt, die Elektronik hat versagt, es scheint keine Regierung mehr zu existieren und niemand kommt zu Hilfe.

Sammy und ihre kleine Schwester Lia sind in der Waldhütte ihrer Eltern auf sich selbst gestellt, seitdem vor 6 Monaten die Welt zusammen gebrochen und ihre Eltern verschwunden waren.
Die beiden jungen Mädchen haben nur sich selbst und müssen mit ansehen, wie die Menschen um sie herum sich verändern.
Niemand ist hilfsbereit, jeder sorgt nur für sich selbst und es ist ein Kampf jeder gegen jeden.

Die Menschen rotten sich zu Plünderergruppen zusammen, um sich gegenseitig auszurotten.

Das erfährt Sammy, die ihre autistische Schwester Lia so gut es geht behüten will, aus nächster Nähe, als sie und ihr ehemaliger Schulkamerad Mark mit ansehen müssen, wie die Älteren aus ihrer Stadt ermordet werden.

Zu dritt fliehen sie und hoffen auf Hilfe oder Erklärungen. Aber auf ihrer Reise treffen sie nicht nur Menschen in Not, sie müssen der Ursache des Desasters auf den Grund gehen.

Sie finden heraus, dass es noch immer Militär gibt. Dass Wissenschaftler der Ursache auf den Grund gehen.

Aber gibt es noch Hoffnung am Ende der Zeit?



´Tote Erden´ von André Appel erzählt in einer rasanten Geschichte mit authentischen Charakteren von dem verzweifelten Versuch die Menschheit zu retten.

Freitag, 8. September 2017

Es liegt etwas in der Luft

Hier meldet sich Charlie aus einer viiiel zu langen Sommerpause zurück!

Aber macht euch keine Sorgen: Ich habe schon wieder ein paar gute Sachen im Gepäck und da jetzt wieder die herbstliche Kuschel-Dich-Mit-Deinem-Tee-Unter-Die-Decke-Und-Lass-Netflix-Im-Hintergrund-Laufen-Zeit ansteht, scheint mein Bücherregal gar nicht mehr so weit entfernt wie in der schwitzig-regnerischen Sommerzeit, die mich immer an die frische Luft zwingen wollte!

Also, seid gespannt! Wir machen weiter, wo wir aufgehört haben:

In Welten, die nach gedankenschwerem Papier riechen. In der man durch dunkle Wälder, verseuchte Wüsten und sonnengebadete Gefühle gehen kann.
Treten Sie näher! Treten Sie näher! Es gibt einiges zu sehen und noch viel mehr zu lesen!

Schnallen Sie sich an und klappen Sie die Bücher auf!
Der Herbst steht vor der Tür!




Montag, 17. Juli 2017

Layken + Will

Layken hasst alles:
den Umzug aus Texas nach Michigan, das neue kleine Haus, den Tod ihres Vaters.
Innerhalb der letzten 6 Monate hat sich alles für die 18-jährige Layken mit dem Südstaaten.Akzent geändert und während sie noch grübelt, wie sie dem schneebelasteten Wetter entkommen kann, zeigt ihr der junge Nachbar Will, dass doch nicht alles an Veränderungen schlecht sein muss.



Er sieht gut aus, ist gebildet und fasziniert Layken mit seinem außergewöhnlichen Hobby: Poetry-Slam
Nur eine Sache kommt ihnen in die Quere: Will ist Laykens Lehrer und somit können sie nicht zusammen sein.
Also schleppt Layken sich weiter durch das Leben, ohne Hoffnung auf Besserung und ohne Will. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und immer wieder fragt sie sich:
Ist Will wirklich so, wie er sich gibt?


Colleen Hoover ist eine sehr talentierte Schriftstellerin. Sie schafft es ihre Geschichten alltäglich  und unbeschwerlich wirken zu lassen, dennoch haben die Hauptcharaktere immer ein schweres Schicksal zu ertragen. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, die den Leser süchtig nach der Geschichte macht.